Deutschland hatte bereits vor dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise europaweit und sogar weltweit den höchsten Strompreis (Quelle: Eurostat 2021, Schaubild von Tech-for-Future)

Warum mehr Windanlagen im windschwachen Südwesten den Strom noch teurer machen

Wie im Essay „Warum uns Erneuerbare Energien keine Freiheit, sondern neue Probleme und Abhängigkeiten bringen“ und in der wissenschaftlichen Ausarbeitung „Windatlas versus Realität“ durch nachprüfbare Zahlen belegt, stehen Windanlagen in unserer Region die meiste Zeit still. Sie liefern also nicht nur unzuverlässig, sondern auch vergleichsweise wenig Strom. Nicht ohne Grund trägt Baden-Württemberg den Titel des windschwächsten Bundeslands.

Wie kann es also sein, dass die Profiteure der Windenergie behaupten, der Wind schicke keine Rechnung und die Lösung zur Senkung unseres exorbitant hohen Strompreises läge in einem massiven Zubau von Windanlagen, auch im windarmen Baden-Württemberg?

Nun, unter marktwirtschaftlichen Bedingungen würde kaum jemand auf die Idee kommen viel Geld in teure Windindustrieanlagen zu investieren, deren Auslastung unter 20 % liegt und die schon nach 20 Jahren wieder ausgemustert werden müssen. Da unserer Regierung die Interessen der Windlobby jedoch außerordentlich am Herzen liegen, sorgen mehrere (durch uns finanzierte) Geldgeschenke dafür, dass sich der Bau von schlecht ausgelasteten Anlagen trotzdem lohnt. Und hier sind wir beim Merit-Order-Prinzip.

Denn durch das Merit-Order-Prinzip erhalten die Betreiber auch von unterdurchschnittlich laufenden Windanlagen genau so viel Geld für ihren Strom wie die Betreiber von teuren Gaskraftwerken — selbst dann, wenn der Strom gerade nicht gebraucht wird und somit überflüssig ist. Ergebnis: Die Verbraucher ächzen unter kaum mehr bezahlbaren Strompreisen, die Betreiber von Windanlagen streichen riesige Gewinne ein.

Ein Zubau von Wind- und PV-Anlagen senkt den Strompreis nicht, da dieser Strom bei der Erzeugung wetterbedingten Schwankungen unterliegt und immer wieder durch teuren Strom aus temporär genutzten, schnell einsatzfähigen und steuerbaren Gaskraftwerken ergänzt werden muss. Durch die gesetzlich geregelte „Vorfahrt“ von Wind- und PV-Strom müssen die unentbehrlichen Ergänzungskraftwerke je nach Verfügbarkeit von Wind und bei Sonne immer wieder runter- und wieder hochgefahren werden, bleiben aber zwangsläufig permanent in Bereitschaft. Und das kostet.

Ohne diese Ergänzungskraftwerke würde unsere Stromversorgung regelmäßig zusammenbrechen, nämlich immer dann, wenn Wind und Sonne zu wenig liefern. Diese inhärent notwendigen, aber unzureichend ausgelasteten Ergänzungskraftwerke treiben den Preis von Wind- und Sonnenstrom zusätzlich in die Höhe. Die Kosten für dieses unverzichtbare Backup-System müssen auf den Preis für Wind- und Sonnenstrom draufgeschlagen werden, ebenso die immensen Kosten für den Netz- und Speicherausbau. Die Rechnung dafür zahlen wir, in Form des europaweit und sogar weltweit höchsten Strompreises. Schon weit vor dem Ukraine-Krieg war das der Fall, die Ursachen für unseren teuren Strompreis und die Energie-Abhängigkeit Deutschlands sind also hausgemacht und das Ergebnis fehlerhafter politischer Weichenstellungen.

 

Übrigens: Im Gegensatz zu einer PV-Anlage kann der Strom einer Windanlage nicht direkt am Ort der Erzeugung genutzt werden, also bspw. zum Laden von E-Autos. Wie bereits beschrieben, arbeiten Windanlagen – hochgerechnet auf Volllaststunden – nur ca. während 1.800 der 8.760 Jahresstunden, also unter 20 % in Zeiten der Leistungsnachfrage. Haushalte und vor allem die Industrie benötigen aber eine ständig verfügbare (und bezahlbare!) Grundlast, d.h. sie haben einen Dauerstrombedarf. Wie wird die Grundversorgung mit Elektrizität in der Zeit sichergestellt, wenn Wind und Sonne nicht liefern?

 

Eine gute Erklärung für den aus dem Ruder laufenden deutschen Strompreis bringt Holger Douglas in dem Artikel „Ein Grund mehr für den hohen Strompreis: Die Windmühlen werden wie teure Gaskraftwerke abgerechnet“ vom 2. September 2022. Hier ein Auszug daraus:

„Das Merit-Order-Prinzip gibt es schon seit jener sogenannten Marktliberalisierung und Auflösung der alten Kraftwerksstrukturen und Versorgungsunternehmen, die als Monopole gebrandmarkt wurden. Es fiel nur nicht auf, weil der Preisunterschied zwischen den verschiedenen Energieformen nicht so groß war wie jetzt, da der Gaspreis dramatisch ansteigt. Deshalb wurde das System nicht öffentlich zu einem großen Thema.

Bei den sogenannten Auktionen müssen die Stromanbieter ihre Preisofferten an der Strombörse auf den Tisch legen, wo sie von billig nach teuer zu einer aggregierten Angebotskurve sortiert werden. Diese Abfolge, „Merit-Order“ genannt, beginnt mit den günstigsten Stromproduzenten, die zuerst zum Zuge kommen, und steigt an mit den Produzenten, die höhere Grenzkosten haben. Diese Preise beziehen sich grundsätzlich auf die variablen Kosten der Stromerzeugung. Nach dieser Milchmädchenrechnung kostet Wind nichts, deshalb wird Strom aus Windrädern grundsätzlich erst einmal bei Null angesetzt.

Der Preis wird dann durch das teuerste Kraftwerk bestimmt, das gerade noch be­nötigt wird, um die Nachfrage der Verbraucher zu bedienen. Diesen Preis erhalten dann auch die anderen, günstigeren Anbieter und können die Differenz zu ihren Erzeugerkosten als „Produzentenrente“ einstreichen. Der hohe Gaspreis hat diese Differenz nun besonders groß werden lassen, die Stromanbieter, deren Produktionskosten nicht gestiegen sind, können Strom trotzdem ebenso teuer verkaufen wie Gaskraftwerke und umso höhere Gewinne machen.

Der für die Stromversorgung eines Landes äußerst missliche Effekt: Die teuren Kraftwerke haben damit wirtschaftlich kaum noch eine Chance und verschwinden meist ganz vom Markt. Das sind nun aber einmal jene Spitzenlastkraftwerke, die schnell angeworfen werden können, wenn die Stromnachfrage plötzlich anstieg. Das waren meist Gaskraftwerke; eine Gasturbine mit angeschlossenem Generator fährt innerhalb weniger Minuten hoch und liefert Strom – eine wichtige Voraussetzung, jederzeit Strom zur Verfügung zu haben. Sie sind vor allem bei Flauten und nachts notwendig, wenn die sogenannten »Erneuerbaren« wieder nichts liefern.

Das politische Ziel lautet: Bis 2030 sollen die sogenannten Erneuerbaren verdoppelt werden. Mehr als doppelt so viele Photovoltaik-Anlagen und Windräder wie bisher sollen errichtet werden. Nur: Die können kein Industrieland gleichmäßig mit Strom versorgen. Deshalb muss hinter jedem Windrad und hinter jeder Photovoltaik-Anlage ein konventionelles Kraftwerk stehen, das liefern kann, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Gleichzeitig sollen Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz abgeschaltet werden. Gaskraftwerke sollten ihren Platz einnehmen, weil sie etwas weniger CO2 ausscheiden als Kohlekraftwerke.

Dies bedeutet: Bis 2030 müssen auch die Gaskraftwerke verdoppelt werden. Die müssen bei Flaute und nachts einspringen. Und das ist ziemlich häufig. 1800 Stunden produzieren Windräder durchschnittlich Strom pro Jahr mit seinen 8760 Stunden. Gaskraftwerke müssen also die restlichen 6960 Stunden pro Jahr laufen, allein um die stillstehenden Windräder zu ersetzen. Damit steigt auch der Gasverbrauch dramatisch an. Der Gas-Peak wird ebenfalls 2030 erwartet.

Die bisherige Weigerung der Bundesregierung, Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen, verknappt weiterhin die Energie. Diese Konstruktion wird Strommarkt genannt, obwohl sie mit einem freien Markt nicht das Geringste zu tun hat. So wird mit aller Gewalt dafür gesorgt, dass der Windindustrie Millionen zufließen.

Warum fällt der Effekt gerade jetzt den Energiewendern auf die Füße? Weil fossile Energie zur Mangelware, also teuer wurde. Zudem wehte der Wind in den vergangenen Jahren deutlich schwächer; die 30.000 Windräder lieferten in den windarmen Jahren eher dürftige Stromerträge.

Zudem haben es die Energiewender geschafft, Deutschland mit seinem gut funktionierenden und leistungsfähigen Kraftwerkspark von einem Stromüberschussland in ein Energiearmenhaus zu verwandeln, das international um Energie betteln muss. Baden-Württemberg zum Beispiel exportierte früher erhebliche Mengen an Strom nach Frankreich. Seitdem der grüne Ministerpräsident Kretschmann das Kernkraftwerk Philippsburg abschaltete, die Kühltürme in die Luft sprengen ließ und damit Milliardenwerte vernichtete, muss das Land Strom importieren. Doch in ganz Europa herrscht derzeit ein Mangel an Strom.

Kritisch wird die Lage, seitdem Russlands Präsident Putin Energie als Waffe einsetzt und sein Erdgas lieber abfackelt, als es in die Pipelines zu pumpen. Das sorgt für dramatische Knappheit, damit für hohe Preise beim Erdgas und erschüttert westliche Industrienationen bis ins Mark.

Zusätzlich erhöhten rot-schwarz-grüne Politiker die Preise für den Brennstoff für Kohlekraftwerke drastisch. Denn als jene hässlichen Schlagzeilen auftauchten, Deutschland habe seine sogenannten »Klimaziele« nicht erreicht, Frankreich mit seinen Kernkraftwerken und dem Null-CO2-Ausstoß dagegen sehr wohl, machte die rot-schwarze Koalition die Kohle drastisch teurer.

Vor allem 2013 wollten Sigmar Gabriel (damals Minister), Rainer Haake (damals Staatssekretär), Angela Merkel (damals Bundeskanzlerin) und Peter Altmaier (damals Wirtschaftsminister) verkünden können, endlich spare Deutschland CO2.

Ab 2016 reformierten Gabriel und Baake mit Altmaier das ETS-Zertifikate-System. Ihre fatale Lösung: Sie verknappten die ETS-Zertifikate. Damit begann ein weiteres gigantisches Vernichtungsprogramm der Energieerzeugung. Diese Zertifikate wurden also deutlich teurer gemacht. Ergebnis: Kurz vor dem Ukraine-Krieg kostete der Ausstoß einer Tonne CO2 etwa 100 Euro nach weniger als fünf Euro in den Jahren zuvor.

So würgten Merkel, Gabriel & Co die Kohlekraftwerke ab. Denn die konnten ihren Strom nur noch sehr teuer produzieren. Kein Wunder, dass die Betreiber ihre Kraftwerke stilllegen wollten. Beispiel Moorburg: Das sehr moderne, fünf Jahre alte Kraftwerk in der Nähe von Hamburg rechnete sich nicht mehr und hat als eines der ersten Kohlekraftwerke die Stilllegung beantragt.

Gleichzeitig wurde Gas bereits vor dem Ukraine-Krieg deutlich teurer. Ursache: Weltweit steigt der Bedarf an Erdgas, unter anderem übrigens deswegen, weil deutsche Energiewender mit viel Geld zum Beispiel Ägypten überredeten, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Siemens hat dafür vom deutschen Steuerzahler bezahlte Gasturbinen hingestellt.

Jene Energiewendepolitik Deutschlands hat dazu geführt, dass die Energieversorgung dramatisch gefährdet ist. Die extrem hohen Gaspreise fallen den Energiewendern auf die Füße. Sie legen das Hazard-Spiel bloß, das unter anderem Gabriel, Blake und mit dem entscheidenden Faktor einer Industrienation trieben, der Versorgung mit sicherem und preiswerten Strom.

»Wie sich die Produktion und auch die Preise von konventionellem Erdgas, LNG und Schiefergas zukünftig entwickeln werden, bleibt abzuwarten, da neben technologischen Innovationen in der Förderung und dem Transport vor allem auch geopolitische Faktoren maßgeblich sind. Ebenso sind etwaige Rückkopplungseffekte auf die Erdölpreise nur eingeschränkt prognostizierbar«, schrieb bereits die Monopolkommission in einem Sondergutachten Energiewende 2013. Ihr erschien schon damals die Wettbewerbsentwicklung vor allem in Bereichen, die im Zuge der Energiewende und der massiven Förderung der erneuerbaren Energien geschaffen und ausgebaut wurden, als problematisch.“